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Über die Konferenz

Im aktuellen erziehungswissenschaftlichen Diskurs sind Aspekte der Professionalisierung der Lehrer_innenausbildung von zentraler Bedeutung. Diskutiert wird sowohl über die Rolle des national unterschiedlichen strukturellen Aufbau der Lehrer_innenausbildung, als auch über die Entwicklung und Ausprägung von Lehrer_innenkompetenzen, die sich auf einer  gemeinsamen europäischen Ebene definieren lassen. In der Debatte um den Standard der Lehrer_innenprofession, welcher fachspezifische Bestimmungen der Lehrer_innenausbildung umfasst, stehen  grundlegende Themen wie die anthropologischen, gesellschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen von Erziehung und Bildung im Zentrum. Dabei wird deutlich, wie wesentlich der Blick auf die historische Entwicklung der Lehrer_innenausbildung und die Rolle der Tradition der Herausbildung einer Kultur der Lehrer_innenausbildung ist. Diese Erkenntnisse können die  aktuelle Fachdiskussion maßgeblich mitbestimmen und um komparative Aspekte bereichern.

Die Tagung will die Aufmerksamkeit auf ein Desiderat der Forschung lenken und die Konzeptionen der Volksschullehrer_innenausbildung in Zentral- und Südosteuropa vom letzten Drittel des 18. Jahrhunderts bis hinein ins 19. Jahrhundert vergleichend untersuchen. Dabei wird sich jedoch zeigen, dass in bestimmten Regionen die systematischen Anfänge der Volksschullehrer_innenausbildung bereits viel früher zu verzeichnen sind als bisher angenommen, genauso wie umgekehrt diese Entwicklungen in manchen Regionen erst viel später einsetzen. Der Zeitraum, der zu untersuchen ist, betrifft etwa die Zeitspanne 1774-1869. Jedoch einzelne Staaten und Regionen begannen unterschiedliche Entwicklung. Die Zeitspanne hängt deshalb stark von der spezifischen Situation der Region ab und auch die Fragen müssen immer auf die Situation in den konkreten Regionen begrenzt und gezielt werden.

In dem geographischen Raum entstehen während dieses Zeitraums vereinzelt in manchen Regionen bemerkenswerte Anfänge einer systematisch durchdachten und didaktisch methodisch fundierten Ausbildung von Volksschullehrer_innen, die dann parallel zur Entstehung der modernen Staaten in ein  reguliertes und staatlich kontrolliertes Ausbildungssystem überführt wurden.

Es geht darum, die die charakteristischen Momente der Anfänge des modernen, aufgeklärten, systematisch aufgebauten Lehrer_innenausbildungssystems in einzelnen Gebieten zu vergleichen. Dabei sollen die jeweiligen Lehrer_innenausbildungskonzepte vorgestellt, ihre Relevanz anhand der um sie geführten Diskussionen analysiert, verglichen und so in einen größeren diskursanalytischen Rahmen gestellt werden.

Es ist deutlich, dass in dieser diskursiv-zeitbedingten Auseinandersetzung im mitteleuropäischen und südosteuropäischen Raum vor allem philanthropisch bestimmte Modelle relevant wurden. Das Felbiger Methodenbuch wurde zum Vorbild, vor allem in der Habsburger Monarchie. Es ist jedoch die Frage, welche alternativen Methodenbücher und welche anderen relevanten pädagogischen Werke die Lehrer_innenausbildung vereinheitlichen sollten oder normierten. Wer waren die maßgeblichen Repräsentanten in den Diskussionen um die Lehrer_innenausbildung in einzelnen Ländern und Gebieten? Wie vernetzten sich die betreffenden Personen mit den Zentren damaliger pädagogischer Diskussion bzw. welche Zentren kann man in diesem kulturell, sozial und politisch differenzierten und ausgesprochen vielfältigen Gebiet ausmachen? Ist es überhaupt möglich, schon damals von einer Vernetzung der Hauptakteure zu sprechen? Handelt es sich um eine klar abgrenzbare Bewegung zur Gründung bzw. Erneuerung der Lehrer_innenausbildung?

Wir möchten hinterfragen, welche Lehrer_innenbildungskonzepte und – Modelle in den jeweiligen Gebieten an Kraft gewannen und weshalb, welche Schriften in den  Kanon der Lehrer_innenausbildung eingingen. Darüber hinaus interessiert uns, welche Diskursstränge die jeweilige regionale Diskussion beherrschten und damit andere konkurrierende Diskussionsmodelle verdrängten. Zeichen sich in diesen Diskursen gewisse Muster und Regelhaftigkeiten ab, die anschließend bildungspolitisch relevante Auswirkungen haben Welche Diskussionspraktiken waren üblich und in der Konkurrenzsituation von Bedeutung?

Im Fokus dieser Fragestellung eröffnet sich eine große thematische Breite. Wünschenswert, jedoch nicht zwingend notwendig erscheint eine vorläufige Eingrenzung der Themen auf folgende Schwerpunkte, die einschlägige gesetzgeberische und administrative Maßnahmen berücksichtigen:

  • Welche Institutionen realisierten die Einführung eines Systems der Volksschullehrer_innenausbildung?
  • Agierte in allen Gebieten der Aufklärungsstaat als Hauptakteur bzw. welche Institutionen waren noch verantwortlich?
  • Wie wurden die Gesetzesnormen zur Volksschullehrer_innen-ausbildung inhaltlich und formal strukturiert? Wie übten sie ihre Macht aus?
  • Kann man von einem System der Volksschullehrer_innen-ausbildung in allen relevanten Gebieten sprechen?
  • Lässt sich dieser Zeitraum als  Anfang der Lehrer_innenprofes-sionsbildung fixieren?
  • Falls ja, stellt sich die Frage, welche Rolle spielten die Lehrer_innen selbst in diesem Prozess, wie kamen sie überhaupt vor?
  • Lassen sich berufsständische Strukturen,  erste Gründungen von pädagogischen Gesellschaften, von gemeinnützigen pädagogisch orientierten Gesellschaften u. ä. betrachten?
  • Welche Formen von Zusammenarbeit von Lehrer_innen in Verbänden, Vereinen oder losen Zusammenschlüssen entstanden und existierten?
  • Welche Volksschullehrer_innenperiodika spielten in diesem Zeitraum in den einzelnen Gebieten eine wichtige Rolle? Von wem wurden sie herausgegeben, von wem redigiert bzw. welchen Inhalte und Maximen wurden hier vertreten?